Aus dem Biblografischen Lexikon für Schleswig Holstein und Lübeck

PETERS, Johannes (Hans) Traugott, geb. 2. 8. 1885 Jauer (Schlesien), gest. 12. 6. 1978 Bargfeld-Stegen (Kr. Stormarn); ev. — Zeichner.

Eltern: Friedrich Wilhelm Peters, geb. 1. 10. 1855 Berge b. Nauen, gest. 26. 1. 1936 Jauer, Lehrer; Anna Emilie Pauline geb. Gemende, geb. 22. 10. 1858 Stein b. Breslau, gest. März 1945 Mertschütz (Schlesien).

Ehefrau: Ilse Amanda Oskane König, geb. 30. 5. 1899 Hamburg, gest. 2. 12. 1976 Lübeck; verh. 4.6. 1921 Hamburg; Tochter d. Kaufmanns Johann Karl Robert König (1860-1921) u. seiner Ehefrau Emma Duncker.

Kinder: 1 Tochter, 1 Sohn.

P. wuchs in der ländlichen Kleinstadt Jauer in Niederschlesien auf und erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater, der ebenso wie der Großvater Lehrer war. Bis 1900 besuchte er die Volksschule und das Gymnasium in Jauer. Der Familientradition entsprechend begann er anschließend eine Ausbildung zum Lehret besuchte das Lehrerseminar in Sagan von 1900 bis 1905 und wurde dann Schullehrer in einem Dorf in der Nähe seiner Heimatstadt. Nach Beendigung der Ausbildung mit der 2. Lehrerprüfung, die er 1907 bestand, konnte er seinen Wunsch verwirklichen, eine Kunstschule zu besuchen und Zeichenlehrer zu werden. Durch Vermittlung seines Onkels, der Geheimer Regierungsrat im Kriegsministerium in Berlin war, wurde er in das Atelier Wilhelm Jordans aufgenommen. Jordan war ein Schüler Adolph Menzels, er lehrte P. Genauigkeit des Sehens und sachliche Detailtreue und bereitete ihn auf den Unterricht an der Kunstschule vor. Nach Ps eigenen Angaben war Jordan neben seinen Eltern derjenige, dem er Entscheidendes in seinem Leben zu verdanken hatte. Von 1908 bis 1910 besuchte P. die Königliche Kunstschule in Berlin.

1910 wurde er für ein Jahr Zeichenlehrer an der Deutschen Realschule in Madrid und lernte auf der Hinreise auch Paris kennen. Nach diesem Intermezzo vertrat er seinen Vater in der Stadtschule in Jauer, bis er zum April 1912 von 5. Schwarz (s. Bd. 7,S. 291) als Zeichenlehrer an die damals im Aufbau befindliche Oberrealschule zum Dom (OzD) nach Lübeck berufen wurde. Von 1914 bis 1916 leistete P. Kriegsdienst als Meldereiter an der Front in Frankreich, von 1916 bis 1918 war er in englischer Kriegsgefangenschaft. Nach der Rückkehr trat er wieder in seine Stellung als Zeichenlehrer in Lübeck ein, 1921 erfolgten die Eheschließung und der Umzug in eine gemietete Wohnung in der Villa des Augenarztes und Kunstmäzens M. Linde (s. d.). Damit begann für P. eine bürgerliche Existenz als Familienvater und beamteter Zeichenlehrer, die bis zu seiner Entlassung aus dem Schuldienst 1933 dauerte. 1926 wurde P. von der OzD an das Katharineum versetzt.

Die nationalsozialistisch geführte Oberschulbehörde versetzte P. 1933 nach § 6 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" ohne Begründung in den Ruhestand, wobei sein impulsiver, unkonventioneller Unterrichtsstil und seine kunstpolitischen Anschauungen eine Rolle spielten, die den Auffassungen der Nationalsozialisten widersprachen. Die Pension, die ihm nach der Entlassung gewährt wurde, bot ihm immerhin die Möglichkeit, sich von nun an ganz der Kunst zu widmen. In den folgenden Jahren entstanden in großer Zahl Landschaftszeichnungen aus der Umgebung Lübecks, die Anerkennung fanden und oft gekauft wurden. Darüber hinaus zeichnete P. die vielen kleinen Dinge des täglichen Lebens, z. B. die Pfosten eines Weidezauns, das gerade eingekaufte Gemüse, Kartoffel- und Nußschalen, Spielzeug, die eigenen Hände, die Familie, die Besucher. In den Jahren von 1935 bis 1965 illustrierte P. zahlreiche Bücher, darunter Ausgaben von Werken Joseph Conrads, Th. Manns (s. Bd. 8, S. 224), Agnes Miegels, Gottfried Kellers und Rainer Maria Rilkes.

1945 wurde P. in Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen der Professorentitel verliehen. 1951 wurde seine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand durch die Nationalsozialisten für politisch begründet erklärt, und seine Pension wurde nach dem Wiedergutmachungsgesetz von 1949 erhöht. Er unternahm in diesen und den folgenden Jahren Reisen nach Spanien, zum Bodensee, nach Venedig und Florenz. Anerkennung als Künstler fand er nun auch über Lübeck hinaus, Einzelausstellungen seiner Werke fanden außer in Lübeck (1946,1955, 1960, 1965, 1975) auch in Hamburg (1946), Hannover und Schleswig (1965) statt, und Arbeiten von ihm wurden von Museen u. a. in Berlin, Mannheim, Schleswig, Hamburg, Hannover, Kiel, Krefeld und Wuppertal angekauft. P. arbeitete bis wenige Monate vor zu seinem Tod, er starb 1978 nach längerer Krankheit in einem Krankenhaus in Bargfeld-Stegen. 1985 veranstalteten das Museum für Kunst und Kulturgeschichte und die Bank für Gemeinwirtschaft in Lübeck eine Gedächtnisausstellung anläßlich seines 100. Geburtstages mit Arbeiten aus seinem Nachlaß.

Obwohl P. auch Ölbilder malte und sich besonders in seinen letzten Jahren der Aquarellmalerei zuwandte, steht im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens sein zeichnerisches Werk. Er war von Adolph Menzel, Max Lieber-mann und Max Slevogt beeinflußt und verstand sich als Realist, den das Detail, nicht aber das Monumentale, Repräsentative oder Abstrakte interessierte. Seine meist mit Stahlfeder oder Bleistift gezeichneten Porträts, Akte und Landschaften besitzen eine starke, fast expressionistische Intensität.

 

Silke Thoemmes

 

Quellen: H. P., Aus d. Erzählung meines Lebens, in: Wagen 1955, S. 130-135; 1966, S. 140-144 - AHL: Personalakte H. P. - LAS, Abt. 761 Nr. 7277. - Persönliche Mitt. d. Tochter Ruth Peters, Lübeck.

Werke: Ein Verz. liegt nicht vor. - 40 Federzeichnungen m. Erl. abgeb. b. Stern (s. Lit.). - 77 Zeichnungen abgeb. in: H. P. Ein dt. Zeichner, Bin. 1942 (Die Kunstbücher d. Volkes, Kleine R. Bd. 9).- H. P., Skizzen u. Glossen, Wolfshagen-Scharbeutz 1950. - Zeichnungen aus d. Nachlaß abgeb. in: H. 1'. 1885-1978. Arbeiten aus d. Nachlaß, Ausstellungskat. Lübeck 1985 (MusKK, Kunst u. Künstler in Lübeck 10). - Verz. d. Buchillustrationen u. Veröff. ebd., S. 29.

Literatur: W. Geyer, H. P., in: Wagen 1932, S. 75-78. - W. Passarge, Einl., in: H.P.Ein dt. Zeichner (s. Werke). - H. Stern, H. P. Vierzig Federzeichnungen, Lübeck 1947. - H. E. Oelrichs, Einl., in: H. P., Skizzen u. Glossen (s. Werke). - E. Schlee, Der Zeichner H. P., in: KSH 1953, S. 157-164. - G. Lindtke, Zu einigen Zeichnungen v. H. P., in: Wagen 1956, 5.165-178. - A. B. Enns, H. -Mensch, Lehrer u. Künstler, in: Wagen 1975, S. 106-122. - Dem., Kunst u. Bürgertum. Die kontroversen zwanziger Jahre in Lübeck, Hbg. 1978, s. Register. - H. Hannemann, Zu Leben u. Werk v. H. P., in: H. P. 1885-1978. Arbeiten aus d. Nachlaß (s. Werke), 5.13-27. -A. Radelfahr, H. P.: Liebe zu Dingen u. Menschen. Zum 100. Geburtstag d. Lübecker Zeichners u. Grafikers, in: LB1 1985, S. 221-226, 249-251.

Porträts (Selbstbildnisse): Gemälde, 1947 (SHLM), Abb.: K. Bernhard u. a., Schi: Holst. Künstlerporträts aus d. Bestand d. SHLM, Nms. 1981 (KSH 22), S. 49. - Zeichnung, 1934, Abb.: H. P. 18851978. Arbeiten aus d. Nachlaß (s. Werke), S. 2. - Dass., 1939, Abb.: H. P. Ein dt. Zeichner (s. Werke), 5.14. - Dass., 1940, Abb.: ebd., vor d. Titelseite. - Dass., 1941, Abb.: Stern (s. Lit.), S. 11. - Dass., 1943, Abb.: Schlee (s. Lit.), S. 158. - Dass., 1945 (SHLM), Abb.: Bernhard u. a. (s. o.), S. 49 u.104. - Dass., 1947, Abb.: Wagen 1975, 5.107. - Dass., 1952,Abb.: LB11985, S.223.- Dass., 1954 (Privatbesitz), Abb.: Enns, Kunst u. Bürgertum (s. Lit.), S. 243, u. Wagen 1955, S. 130. - Dass., 1970 (SHLM), Abb.: Bernhard u. a. (s. o.), S. 50. - Dass., 1976, Abb.: H. P. 1885-1978. Arbeiten aus d. Nachlaß (s. Werke), S. 4. - Fotos: Foto v. E. Schmidt in: LB11985, S. 221.